|
Wanderwoche 2026 auf dem Rheinsteig
Der Rheinsteig führt über 320 km von Wiesbaden bis Bonn am ›Vater‹ Rhein entlang, durch gemütliche Orte, über die Rheinhöhen mit herrlichen Ausblicken ins Rheintal und auf Burgen und Weinberge – einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands, besonders der mittlere Teil. Den gesamten Rheinsteig haben wir bereits in den Jahren 2007, 2009 und 2011 erwandert. Diesmal geht es aber nicht von Ort zu Ort, sondern wir haben unser Standortquartier im mittleren Teil in der kleinen Winzergemeinde Lorch. Die Anfahrten zu unseren sechs Wanderungen (meist zwischen 12 und 15 km und immer auch bergauf und bergab) erfolgen per Bahn oder Schiff, es geht auch mal auf die andere Rheinseite zum Rheinburgenweg. Die längste Etappe allerdings ist stolze 22 km lang, inkl. Loreleyfelsen – mit Geduld und Ausdauer schaffen wir auch das. Auf dem Programm stehen Lorch, Kaub, Assmannshausen, Niederwalddenkmal, Rüdesheim, Abtei St.Hildegard, St. Goarshausen, Loreley-Felsen und Bacharach – allesamt sehenswert!
Die Unterkunft in dem Hotel in Lorch vom 30. August bis 6. September 2026 inkl. Frühstück und Lunchpaket sowie einmal ein 3-Gang-Abendessen kostet pro Person im Doppelzimmer 590 € und im Einzelzimmer 820 €. Darin enthalten sind auch ein Pausenbrot de Luxe für ein Gourmet-Picknick sowie eine Flasche Riesling – wir sind ja im Weingebiet und zur Hauptreisezeit unterwegs.
Die Tourismusabgabe sowie Fahrtkosten (Bahn, Schiff, Sessellift) müssen zusätzlich vor Ort bezahlt werden. Ich werde wieder versuchen, die Anreise per Pkw zu organisieren, ansonsten ist die An- und Abreise auch per Bahn möglich. Anmeldung bitte bis Ende Februar 2026.
Richard Krumm, Telefon 697336 oder 0170-7592239

Bericht über die Wanderwoche in Naumburg an der Saale und Unstrut vom 6. bis 13. September 2025
Es ist das nördlichste Weinanbaugebiet Deutschlands und begeistert durch sanfte Berge mit Burgen, Schlössern, Weingütern und viel Kultur. 19 Wanderer machten sich am 6. September für eine Woche auf nach Naumburg an der Saale mit dem berühmten Naumburger Dom. Wir wohnten in der dortigen Jugendherberge. Bereits am Nachmittag des Anreisetags unternahmen wir den ersten Rundgang durch das Städtchen und besichtigten die schöne Stadtkirche St. Wenzel mit der Hildebrandt-›Bach‹-Orgel, die weltweit einzig authentisch erhaltene Orgel, die Johann Sebastian Bach nicht nur abgenommen, sondern auch maßgeblich mitkonzipiert hat. Vom Turm (266 Stufen) genossen wir einen herrlichen Rundumblick.
   Ein Mitwanderer hatte neben der Eisdiele am Markt einen Hinweis auf ein Konzert im Dom entdeckt. Spontan ging es also gleich nach dem Jugendherbergs-Abendessen in den Naumburger Dom St. Peter und Paul zu den ›Klangwelten der Romantik‹ mit dem Dresdner Frauenchor. Es war ein Ohrenschmaus!
Unsere sechs Tagestouren bei wirklich schönem Wetter führten uns am ersten Tag von Almrich über die Saale auf die Anhöhe über den Weinbergen mit herrlichen Ausblicken – besonders vom Restaurant ›Schöne Aussicht‹, das seinem Namen alle Ehre machte – hinab ins Tal bis nach Bad Kösen. Dann folgten wir dem Saaleufer am Fuße der Weinberge mit Einkehr beim Landesweingut Kloster Porta. Wieder über die Saale ging es dann zu einem Rundgang in die Landesschule Pforta, ein Internatsgymnasium zur Förderung Hochbegabter. Beeindruckende alte Gemäuer! Der lauschige Rückweg vorbei an der Klopstockquelle (der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock war von 1739 bis 1745 Schüler in Pforta) folgte der Kleinen Saale mit spiegelglatter Wasseroberfläche.
    Am Montag starteten wir in Freyburg an der Unstrut, vorbei an der Sektkellerei Rotkäppchen (nur von außen angeschaut) und wieder hinauf über die Weinberge – tolle Blicke in das Tal der Unstrut! Nach einem seitlichen Abstecher gelangten wir nach Zscheiplitz mit Einkehr auf der schönen Terrasse im Gasthaus Pretsch. Das ehemalige Kloster Zscheiplitz liegt an einem Kalksteinplateau, welches wir bei herrlicher Aussicht umrundeten und einen historischen Kalkbrennofen entdeckten. Wieder unten an der Unstrut liegt die über 100 Jahre alte Mühle Zeddenbach, tatsächlich noch in Produktion, aber viele Gebäudeteile völlig verfallen – wie ein Lost Place! In Freyburg am Marktplatz belohnten wir uns zum Abschluss im Eiscafé Merle mit Kaffee und Kuchen.
  Dienstag stand ganz im Zeichen der Schlossbesichtigung Neuenburg, einer Schwesterburg der Wartburg, aber deutlich größer. 1970 wurde die Burg wegen Substanzschäden geschlossen und verfiel zunehmend. Sie war in erbärmlichem Zustand, als ab 1990 die Burg umfassend renoviert wurde – sie ist heute ein attraktiver Erlebnisort. Auf ganz schmalen Wegen durch Gebüsch ging es auf die Anhöhe des Schlosses und nach der Besichtigung auf Serpentinenwegen hinab nach Freyburg. An dem uns bekannten Eiscafé Merle konnten wir nicht ohne Einkehr vorbeikommen. Und die Krönung: Auf dem Rückweg an der Unstrut konnten wir einem Besuch des Herzöglichen Weinbergs Freyburg nicht widerstehen: Mit Blick auf die Weinberge, das Schloss und das idyllische Weinberghäuschen.
    Mittwoch hatten wir uns angemeldet zu einer Führung durch den berühmten Naumburger Dom (UNESCO Welterbe seit 1. Juli 2018) mit dem umstrittenen Cranach-Triegel-Altar und der schönen Uta von Naumburg, eine der zwölf Stifterfiguren im Westchor. Im Anschluss ging es wieder an die Saale zu einer kurzen Wanderung durch den ›Blütengrund‹ mit der Gierseilfähre (eine kurze Hin- und Her-Fahrt mit der gemütlichen Fähre ließen sich einige von uns nicht entgehen), dem Steinernen Bilderbuch und dem Paul-Klinger-Haus – dort Kaffeeeinkehr im Klinger-Weinberg mit Weitblick in das Tal. Die Wanderwoche entwickelte sich zu einer gemütlichen Genusstour; denn zurück auf der Anhöhe bot sich uns (bei einer kleinen Einkehr!) ein herrlicher Blick vom Weinberg Präsidentenberg. Die gastfreundliche Wirtin Frau Brüning beschrieb uns sogleich die sichtbaren Sehenswürdigkeiten im weitläufigen Tal.
      Donnerstag folgte Bad Kösen. Der Ort wird dominiert durch das imposante Gradierwerk: 300 m lang und 20 m hoch aus dem 18. Jahrhundert, eine europaweit einmalige Anlage, bei der ein Wasserrad die Solepumpe antreibt. Stetig leicht bergan führte uns der Weg zur Rudelsburg und der Burg Saaleck, dann wieder hinab durch den Ort Saaleck und steil bergauf zum Restaurant ›Himmelreich‹. Der einzige leichte Regen in der Woche, aber dabei (s)aßen wir im ›Himmelreich‹ bei weiter Aussicht auf die Saale-Schleife an der steilen Muschelkalkwand. Dann hörte der Regen brav auf. Hinunter ins Tal der Saale ging es zurück nach Bad Kösen. Eine spontane Kaffeeeinkehr in der Konditorei Schoppe gönnten wir uns natürlich.
    Der letzte Tag bescherte uns noch ein Highlight: Das artenreiche Muschelkalk-Hochplateau ›Rödel‹ gegenüber von Freyburg wurde 2009 unter Naturschutz gestellt. Hier suchten wir die Koniks-Wildpferde (polnisch: kleines Pferd), die hier auf großer, freier Fläche leben. Erst nach langem Suchen entdeckten wir sie. Durch zwei Wanderer wurden sie unfreiwillig auf uns zugetrieben. Erst waren sie zögerlich, wachsam und beobachteten uns etwas ängstlich. Doch da wir uns ruhig und abwartend verhielten, kamen sie schließlich neugierig auf uns zu und ließen sich sogar streicheln, was ihnen ganz offensichtlich gefiel. Wirklich ein besonderes Erlebnis!
 Auf schmalen, teils steilen und unebenen Wegen genossen wir in dieser schönen Wanderwoche Weit- und Rundblicke, mit Blick auf die Saale und Unstrut und auf viele Weinberge. Den Wein haben wir natürlich auch probiert. Am letzten Abend setzten wir uns in der Weinstube der Jugendherberge zusammen und ließen noch einmal u. a. bei Saale-Unstrut-Wein die Woche Revue passieren. Diese Wanderwoche bei gutem Wetter kann unter dem Motto ›Genuss- und Kultur, mit herrlichen Wanderwegen und spektakulären Weitblicken‹ bezeichnet werden.
Erika Lembcke & Richard Krumm
|